Auch wenn wohl fast jeder das Wort Podcast schon einmal gehört hat, herrscht 12 Jahre nach Erfindung des Begriffs immer noch große Unkenntnis über dieses Medium. Im Folgenden erfährst du, was ein Podcast ist, warum der Begriff häufig falsch verwendet wird, wie man Podcasts mit einer Podcast-App kostenlos abonnieren und aufs Handy laden kann und wer Podcasts anbietet.

Inhalt (Klicke auf ein Thema, um direkt dorthin zu springen!)

  1. Definition: Was ist ein Podcast?
  2. Podcast abonnieren
  3. Podcast abonnieren mit dem Handy oder Tablet
  4. Podcast abonnieren mit dem Rechner
  5. Podcast-Feed/RSS-Feed
  6. Zusammenfassung

 

Ein Podcast, das ist doch so was wie eine Radio- oder Fernsehsendung im Internet, oder?

Nicht ganz. Es gibt zwar auch Radio- oder Fernsehsendungen als Podcast. Im Gegensatz zu den klassischen Medien hat ein Podcast aber keine festen Sendezeiten. Man spricht dabei auch von Audio (bzw. Video) „on demand“, also auf Abruf. Du kannst Podcast-Episoden herunterladen und hören (bzw. ansehen), wann du willst. So bist du komplett unabhängig von Sendezeiten und brauchst nicht zu fürchten, eine Folge zu verpassen.

Also ist ein Podcast eine Audio- oder Videodatei zum Herunterladen im Internet?

Viele benutzen aus Unwissenheit den Begriff “Podcast” für eine einzelne Audio- oder Videodatei. Das allein ist aber laut Definition noch kein Podcast. Ein echter Podcast ist viel mehr: Es ist eine ganze Serie von Audio- oder Videodateien. Stell dir ein Weblog vor, das ja in der Regel aus mehreren Artikeln besteht, die nach und nach veröffentlicht werden. Ein Podcast ist im Prinzip dasselbe mit Audio- bzw. Videoanhang. Daher spricht man manchmal auch von Audio- bzw. Videoblog. Einen Podcast kann man sich wie ein Haus mit vielen Zimmern vorstellen: Ein Zimmer ist eine Podcastfolge, auch „Episode“ genannt, das ganze Haus mit allen Zimmern und einem Dach darüber (der Code im Hintergrund) ist dann der Podcast. Der große Vorteil ist, dass du einen Podcast abonnieren kannst und keine spezielle Seite im Internet aufsuchen musst.

Abonnieren, aha, das kostet also was?

Keinen Cent! Das Abonnieren und Herunterladen eines Podcasts ist immer kostenlos. Die Podcasts werden entweder von den Anbietern selbst, durch Werbung oder bei den öffentlich-rechtlichen Sendern durch deine Rundfunkgebühren finanziert.

Und wie funktioniert das mit dem Abonnieren?

Dafür brauchst du ein Programm, einen sogenannten Podcatcher bzw. eine Podcast-App für dein Smartphone oder Tablet. Vor dem Siegeszug des mobilen Internets musste man einen Podcast noch umständlich vom PC auf den MP3-Player übertragen, wenn man ihn unterwegs hören wollte. Heute kann man ihn bequem mit dem Handy abonnieren und direkt damit aus dem Netz herunterladen. Die Podcatcher-App überprüft, ob neue Folgen der abonnierten Podcasts vorhanden sind. Diese werden dann je nach Programmeinstellung automatisch oder manuell heruntergeladen oder auch gestreamt, ohne dass man die Seite des Podcast-Anbieters aufsuchen muss. Natürlich kannst du auch mit deinem Rechner Podcasts abonnieren. Es gibt außerdem Podcast-Portale, auf denen man sich registrieren kann und sich Podcasts aus einem umfangreichen Verzeichnis heraussuchen und abonnieren kann.

Wie abonniert man einen Podcast mit dem Handy?

Wenn du dein Handy zum Abonnieren von Podcasts benutzen willst, findest du verschiedene (teilweise kostenlose) Apps in den jeweiligen Stores. Die Bedienung hängt von der jeweiligen App ab. Die meisten erklären sich schnell selbst, wenn man sie einmal installiert hat. Für Android gibt es u.a. die kostenlose App „Antenna Pod“ mit recht überschaubarem Funktionsumfang. Ich nutze derzeit die ebenfalls kostenlose App „Podcast Addict“ für Android, hiermit kann man auch Internetradio hören, sie hat einige Extras und ist trotzdem einfach zu bedienen. Für Apple-User gibt es die hauseigene App „Podcasts“, die App „iCatcher (kostenpflichtig)“ und viele andere. Probiere einfach aus, mit welcher App du am besten klarkommst.

Hier mal eine kleine Aufgabe für dich: Installiere eine Podcast-App, finde damit meinen Podcast „Ohrenblicke“, abonniere ihn und höre dir die letzte Episode an. Wenn das funktioniert, wirst du keine Schwierigkeiten haben, weitere Podcasts zu allen möglichen Themen zu finden, die du ebenfalls kostenlos abonnieren kannst. Natürlich kannst du jedes Abo ganz einfach wieder beenden. Denk bitte daran, dass Audio und Videodateien sehr groß sein können und nutze am besten einen W-LAN-Zugang zum Herunterladen, um dein Datenvolumen zu schonen.

Und wie abonniere ich einen Podcast mit dem Rechner?

Am einfachsten ist es wohl mit dem Programm iTunes, das allerdings in der Windows-Version sehr sperrig ist. Im iTunes-Store gibt es ein Podcastverzeichnis mit Rubriken und du kannst (wenn du das Programm „iTunes“ auf deinem Rechner installiert hast) die Podcasts dort einfach per Mausklick abonnieren

Wenn du keine spezielle Software installieren, aber trotzdem deine Podcast-Abos zentral verwalten möchtest, kannst du Podcastportale wie podcast.de (leider inzwischen sehr vollgestopft mit Werbung) oder Podster (wird schon seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt, funktioniert aber immer noch) nutzen. Hier kannst du dich registrieren, nach Themen und Rubriken suchen und den gewünschten Podcast per Mausklick abonnieren.

Ein wenig aus der Mode gekommen und nur der Vollständigkeit halber hier erwähnt sind Programme wie gPodder oder Juice (veraltet), kleine kostenlose Podcatcher, die aber etwas umständlich zu bedienen sind. Leider wird auch der einstmals sehr beliebte Audio-/Videoplayer Winamp nicht mehr weiterentwickelt, der über die Möglichkeit verfügte, Podcasts zu abonnieren und abzuspielen.

Du kannst einen Podcast übrigens auch mit dem Browser abonnieren, die meisten Browser unterstützen diese Funktion. Klicke einfach mal auf den Ohrenblicke-Feed und schau, ob dein Browser diese Möglichkeit bietet, im negativen Fall siehst du nur eine Seite mit Code. Im Prinzip kann man mit jedem Programm, das Nachrichtenfeeds lesen kann, auch Podcasts abonnieren. Suche im Netz nach „Feedreader“.

Feed? Feedreader? Was ist denn das jetzt schon wieder?

Keine Sorge, heutzutage muss man diesen Begriff weder kennen noch verstehen, um Podcasts konsumieren zu können. Der sogenannte RSS-Feed ist eine Datei, in der Informationen über den Podcast gespeichert sind. Zum Beispiel der Name des Podcasts, die Titel der einzelnen Folgen, Beschreibungstexte zum Inhalt (sogenannte „Shownotes“) und, ganz wichtig, die Download-Adressen der Audio- oder Videodateien. Der RSS-Feed hat ein Standard-Format und kann von bestimmten Programmen wie z.B. Podcatchern gelesen und ausgewertet werden. Wenn du also z.B. auf den Ohrenblicke-Podcastfeed klickst, müsste dir dein Browser die letzten Folgen des Ohrenblicke-Podcasts und die Links zu den Audiodateien anzeigen – vorausgesetzt er kann RSS-Feeds lesen. Deine Podcast-App macht im Grunde nichts anderes. Sie wertet den Feed aus und zeigt dir die Episoden des Podcasts an, die du herunterladen oder im Stream abspielen lassen kannst. Eine Feed-Adresse findest du übrigens auch bei Blogs oder Nachrichtenseiten. Auch diese kann man mit einem speziellen Programm, einem Feedreader, abonnieren und spart sich das Aufrufen der Webseiten.

Okay, ich kann also einen Podcast abonnieren und ihn hören oder ansehen wann und wo ich will. Dafür brauche ich einen Podcatcher, z.B. eine entsprechende App für mein Handy. Und das Tolle, Podcasts sind komplett kostenlos. Was ich aber noch nicht verstehe: Wer produziert denn sowas und verschenkt es dann einfach?

Häufig sind es Firmen, Vereine oder Interessengruppen, die einen Podcast produzieren, um auf sich aufmerksam zu machen. Es gibt aber auch unzählige Privatleute, die Spaß daran haben, sich auf diese Weise der Welt mitzuteilen. Die Themen sind dabei ebenso vielfältig wie die Qualitätsansprüche. Es gibt Talkformate, Infoformate, Wissenspodcasts, Lernpodcasts, Hörspiele, Comedy, Magazine, Business-Tipps und vieles mehr. Und das ist das Schöne beim Podcasting: Die Auswahl ist riesig und jeder kann sich das heraussuchen, was ihm gefällt.

Eine letzte Frage: Wer bist du und warum nimmst du dir die Zeit, mir das so ausführlich zu erklären?

Ich bin Jens, auch Jens Ohrenblicker oder manchmal nur „Der Ohrenblicker“, beschäftige mich beruflich mit Dingen, die man Hören kann und produziere seit 2006 den Ohrenblicke-Podcast, der sich spielerisch und künstlerisch mit unserer auditiven Wahrnehmung beschäftigt. Hier geht es mehr um das Erleben als um nüchterne Wissenschaft, z.B. um meine akustischen Reiseerlebnisse oder auditive Begegnungen, um Hörspielereien und einfach alles, wozu ich gerade Lust habe und was irgendwie in Zusammenhang mit dem Thema Hören steht.

Die Vorgängerversion dieses Erklärtextes habe ich vor einigen Jahren für podcast.de geschrieben. Sie war jedoch in einigen Punkten veraltet, daher habe ich den Text komplett überarbeitet.

Jetzt interessiert mich aber, wer du bist, warum du diesen Text bis zum Ende gelesen hast und ob er dir was gebracht hat oder ob du noch offene Fragen zum Thema Podcasting hast. Vielleicht hast du ja auch Verbesserungsvorschläge oder andere Wünsche. Schreib mir doch einfach mal: jens (at) ohrenblicke.de. Ich würde mich außerdem über Feedback zu meinem Ohrenblicke-Podcast freuen. Hier hast du eine Übersicht über alle bislang erschienenen Folgen. Wie du ihn abonnieren kannst, weißt du ja inzwischen!

Stand: Januar 2016

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