Sein Leben war bislang nicht gerade ein Honigschlecken: Der Dicke Lauschbär, seines Zeichens flauschiger Geschichtenerzähler mit bärigem Gemüt, fristete in den letzten Jahren ein tristes Dasein in einer Plattenbauwohnung in Berlin-Marzahn und bewarb sich regelmäßig und erfolglos mal als Märchenbär, mal als Tanzbär, als Weihnachtsbär, Werbebär, Glücksbär oder Erklärbär. Es schien lange Zeit so, dass in der heutigen Zeit kein Platz mehr für einen Bären alter Schule ist.

Der Dicke Lauschbär

Soll nun endlich seine Chance bekommen: der Dicke Lauschbär (Porträt: Eva)

Im Jahr 2008 bekam der Ohrenblicker den Dicken Lauschbären vom Arbeitsamt als 1-Euro-Jobber vermittelt. Seitdem putzt er in den Ohrenblicke-Studios nicht nur Kabel, sondern auch das Klo, trägt den Müll runter, kümmert sich um die Lauschbar im Lieblingshörerforum und wenn er Glück hat, darf er auch mal in der einen oder anderen Ohrenblicke-Folge dabei sein und bekam sogar zwei Auftritte in den Ohrenblicke-Weihnachtsgeschichten beim Höradvent. Doch ein ausgefülltes Bärenleben sieht anders aus. Nach dem Ableben seines großen Vorbilds, dem Eisbären Knut, verfiel er zunehmend in tiefe Melancholie und man munkelte kürzlich, dass er mit dem Gedanken spiele, sich der Pelzindustrie auszuliefern.

Doch nun scheint eine glückliche Wendung in Sicht: Der Rundfunk Berlin-Brandenburg möchte im Rahmen seines neuen Förderprogramms „Tier raus aus Hartz IV“ dem Dicken Lauschbären eine Chance geben und so darf er demnächst seine eigene Sendung im Kulturradio moderieren – quasi als Gegenpol zum „Ohrenbär“ im Kinderhörfunkprogramm des RBB. Die einstündige Sendung wird fünfmal wöchentlich ausgestrahlt und „Lausch dich flauschig!“ heißen. Neben dem Vortrag selbstgeschriebener Märchen und eigener Lieder wird der fusselige Pfundskerl auch über sein Leben in Berlin erzählen, über gesellschaftliche Vorurteile ebenso sprechen wie über Selbstzweifel, Alkoholexzesse und die steigenden Honigpreise.

„Ich freue mich schon tierisch auf meine eigene Sendung“, so der Dicke Lauschbär. „Ich möchte den Berlinern nach dem Tod von Knut wieder Hoffnung geben, ihnen Mut machen, den inneren Bären rauszulassen!“ Sprach’s und gab einen lauten Furz von sich.

Thilo Sarrazin

Findet die Pläne des RBB gar nicht so flauschig: Thilo Sarrazin (Foto: R. Hebstreit)

Die Berliner Prominenz nimmt die Sache gemischt auf. Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin sprach von einer unverantwortlichen Gebührenverschwendung des RBB in finanziell klammen Zeiten. „Der RBB erweist sich mit dieser Sendung einen Bärendienst! Lauschbären haben keine produktive Funktion, nicht mal für den Gemüsehandel, aber im Radio sind sie vollkommen deplatziert. Sie haben einen genetisch bedingt niedrigen IQ, sind übergewichtig, schlecht rasiert und ein negatives Vorbild für unsere Jugend. Wenn dieser Speck-Eumel eine Sendung im Kulturradio bekommt, dann gute Nacht, Deutschland!“

Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hingegen begrüßt den Schritt des RBB: „Es mag nicht so bekannt sein, aber ich habe wirklich eine Schwäche für haarige Typen. Der Dicke Lauschbär bringt zudem frischen Wind ins angestaubte Kulturradio. Und das ist gut so!“

Der Ohrenblicker, sein alter Arbeitgeber, sieht die Sache mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Ich werde ihn schon vermissen. Der olle Fusselkopp ist mir in den letzten Jahren lieb und teuer geworden. Ich hoffe ja, dass er mich ab und zu noch in den Ohrenblicke-Studios besucht. Ich weiß sonst echt nicht, was ich tun soll, wenn der Mülleimer mal wieder überquillt.“

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