Mein Dezember-Ohrenmensch heißt Johanna Steiner und managt nicht nur die Live-Veranstaltungen der Lauscherlounge, sondern arbeitet auch als Hörspielregisseurin und -autorin. Ihre Antworten auf meine Fragen liefern interessante Ansichten über Gasherde, die Faszination von Schritten und kichernde Fische.

Johanna SteinerName: Johanna Steiner
Geburtsjahr: 1983
Wohnort: Berlin
Beruf: Hörspielautorin und –regisseurin / Veranstaltungsmangerin bei der Lauscherlounge
Hobbys: Kochen, Singen, Kino, Konzerte, Lesen und so
Homepage: buchstabiermirlkw.de und bald auch johannasteiner.de

Wer bist du und was glaubst du, warum ich dich zum Ohrenmenschen des Monats gewählt habe?

Ich bin Johanna und ich liebe Hörspiele. Das allein könnte Qualifikation genug sein. Wahrscheinlich kommt aber dazu, dass ich gerade mein zweites Hörspiel „übernacht“ bei der Lauscherlounge veröffentlicht habe und abseits dessen mit der Lauscherlounge ca. 70 Hörveranstaltungen im Jahr stemme. Hören, Schreiben fürs Hören und hörbar machen ist mein Beruf.

Nenne ein typisches Geräusch aus deinem Alltag, das etwas mit dir zu tun hat!

Das Geräusch von meinem Gasherd, wenn das Feuerzeug die Flammen angehen lässt. Ich koche und backe gern und viel und liebe dieses Geräusch seit frühster Kindheit. Ob es einen Gasherd gibt, ist für mich ein Auswahlkriterium für eine Wohnung.

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Des Ohrenblickers Gasherd (MP3)

Gibt es einen Ohrenblick (ein akustisches Erlebnis) in deinem Leben, an den du dich besonders intensiv erinnern kannst? Wenn ja, welchen und warum gerade den?

Ich hab bei meinem ersten Hörspiel „Buchstabier mir LKW.“ selber zuhause die besten Takes von den Sprachaufnahmen ausgewählt und dann zusammengesetzt. Und da gibt es dann plötzlich so einen Moment, wo sich alles zusammenfügt: wo aus einzelnen Sätzen ein richtiger Dialog wird und wo aus den Sprechern plötzlich die Figuren werden, die sich miteinander unterhalten. Das ist Wahnsinn. Das ist auch heute noch so, aber bei „Buchstabier mir LKW.“ war es am krassesten, weil das mein erstes richtiges Hörspiel war.

Wenn Schallquellen Ein- und Ausschalter hätten, welche drei würdest du regelmäßig ausschalten?

  1. Die schleudernde Waschmaschine von meiner Nachbarin obendrüber – sie klingt wie ein startender Hubschrauber.
  2. Die Feuerwehr- und Polizeisirenen, die immer genau dann losgehen, wenn sie auf meiner Höhe sind.
  3. Das Piepen vom Drucker, weil er kein Papier mehr hat (hingegen das Geräusch eines entstehenden Papierstaus ist wundervoll).

Übernacht (Hörspiel)

übernacht - das neue Hörspiel von Johanna Steiner

Ein Brieffreund von einem entfernten Planeten bittet dich, ihm drei Tonaufnahmen von der Erde zu schicken. Was würdest du auswählen?

Ich würde ihm Schritte schicken. Entweder auf Steinboden oder auf Moos. Ich mag Schritte; sie sind so beiläufig, aber so lebendig und sie machen die Räume hörbar. Und ich würde ihm Zähneputzen schicken. Das ist so schön und rhythmisch und klingt sofort nach Zuhause und Geborgenheit. Und ich würde ihm Papier schicken; entweder Umblättern oder Knüllen oder Schreiben. Papier klingt irgendwie immer warm.

Stell dir vor, du könntest einem Gegenstand oder Lebewesen ein neues Geräusch verpassen. Was wäre das und wie würde es dann klingen?

Ich fände es gut, wenn Fische Geräusche machen würden. Goldfische und Karpfen könnten immer „Möpp“ sagen, und kleinere schnellere Fische würden irgendwie kichern. Ich fände das sympathisch. Dann würde man auch immer mitkriegen, wenn in der Nähe ein Fisch ist und könnte fliehen (wenn man Angst vor Fischen hat wie ich).

Mein Gehör ist für mich …

… eine Quelle von Geschichten und Erlebnissen. Manchmal eine Parallelwelt.

Wenn ich einen Tag lang blind wäre, würde ich …

… ausprobieren, was mein Gehör so alles kann. Wie gut ich mich orientieren kann, ob man Wände hört, und wie die Sachen „aussehen“, wenn man sie nur hört. Und ich würde versuchen zu beobachten, ob ich anders auf Menschen zugehe, wenn ich sie nur aufgrund ihrer Sprache und Stimme kennenlerne.

Wenn ich einen Tag lang taub wäre, würde ich…

… Lippenlesen lernen. Und Gebärdensprache. Das wäre toll! Wird aber wahrscheinlich knapp an nur einem Tag. Bräuchte ich mehrere. Naja, so dringend ist das nicht…

Wie klingt Stille?

Weiß.

Gibt es noch eine Frage, die du immer schon mal beantworten wolltest?

Ich würde gern mal über Synästhesie befragt werden, weil diese Wahrnehmungen so selbstverständlich sind, dass ich sie teilweise nicht mitbekomme. Synästhesie ist eine Kopplung von Sinneswahrnehmungen, und in meinem Fall sind sehr viele Eindrücke mit Farben oder Tönen verquickt. Ich glaube, dass ganz viele Leute nicht wissen, dass sie Synästheten sind; und ich weiß, dass ganz oft ein falsches Bild von Synästhesie verbreitet wird, und ich fände es spannend, darüber mal zu reden.