Liebe Kulturradio-Redaktion,

seit Januar 2009 bin ich Radio-Nomade, denn der RBB hatte meinem Lieblingssender Radiomultikulti den Strom abgedreht und mir mein kleines Stück Radioheimat genommen. Dabei hatte ich doch immer pünktlich (naja, fast) die GEZ-Rechnungen bezahlt.

Seitdem irre ich rastlos im Dschungel der Frequenzen umher und suche nach einem Sender, der mir die Welt dort draußen ansprechend zu Gehör bringt. Ich beginne den Tag meist mit dem Inforadio, aber spätestens, wenn ich einen Beitrag zum dritten Mal höre, wechsle ich den Sender. Informationen werden nicht tiefgreifender, wenn man sie ständig wiederholt.

Funkhaus Europa soll ja angeblich Radiomultikulti ersetzen können, hatte Frau Reim immer gesagt, wenn sie danach gefragt wurde. Aber Funkhaus Europa wirkt für mich wie ein Fremdkörper in der Berliner Radiolandschaft. Köln ist eben nicht Berlin.

Man hört immer wieder, wie toll und geistreich doch Radio Eins wäre. Aber die selbstverliebten Moderatoren und der nervtötende Claim „Nur für Erwachsene“ vergraulen mich meist recht schnell. Menschen, die sich für „erwachsener“ halten als andere, sind mir unsympathisch, wo ich doch weiß, dass auch Kinder gute Musik lieben, wenn man ihnen nur die Gelegenheit gibt, sie zu hören.

Radio Berlin mag ich nicht, weil ich beim Hören immer denke, ich hätte versehentlich einen Privatsender eingeschaltet. Antenne Brandenburg schreit mich ebenso wie Fritz immer an: Du gehörst nicht zu meiner Zielgruppe, schalt mich wieder ab! Sofort!

Ja, hin und wieder höre ich auch Kulturradio, aber oftmals fühle ich mich dafür zu unpassend gekleidet und zu schlecht frisiert. Ich vermisse heute immer noch mein Radiomultikulti, das mich als Hörer so akzeptiert hat, wie ich bin und nie vorgab etwas Besonderes zu sein, aber doch etwas Besonderes war.

Doch heute habe ich Ihre Sendung „Musik der Kontinente“ mit Kathrin Schneider entdeckt, die mir die Musik der Tuareg nahebrachte. Da flammte doch etwas von dem weltoffenen Flair von Radiomultikulti auf und ich habe beim Abendessen (es gab Spargel, njamnjam!) unweigerlich mit den Füßen wippen müssen. Sehr gut hat mir gefallen, dass die Musik hier nicht als Füllmaterial zwischen den Wortbeiträgen gedient hat, sondern sich beides ergänzte wie frischer Spargel und Sauce Hollandaise und es auch so gut schmeckte (auch wenn dies in der Sahara vermutlich seltener auf dem Speiseplan steht).

Und auf Ihrer Website entdecke ich dann tatsächlich auch noch den vertrauten Namen Peter Rixen. Jetzt weiß ich auf jeden Fall, wie ich die nächsten Dienstag- und Donnerstagabende verbringen werde und zahle fortan die Rundfunkgebühren nicht mehr ganz so ungern.

Haben Sie tatsächlich bis hierhin gelesen? Dann nur noch eins:

Danke und weiter so!

Diese E-Mail habe ich gestern mit Spargel im Bauch und dem hypnotischen Tuareg-Blues im Ohr an die Redaktion vom RBB Kulturradio geschickt, weil ich finde, dass man sich ruhig mal bedanken soll, wenn man mal nicht immer nur mit Einheitsbrei grundversorgt wird.