Wir alle kennen optische Täuschungen. Da das Internet ein vornehmlich visuelles Medium ist, gibt es ganze Websites, die sich mit dieser Thematik beschäftigen. Das Phänomen der akustischen Täuschung ist hingegen weit weniger populär, schließlich kann man sowas nicht mal eben als nettes Bildchen in einer Illustrierten abdrucken oder per Copy & Paste in ein Internetforum kleben.

Eine akustische Täuschung liegt nicht nur vor, wenn Menschen glauben, sie wären das neue deutsche Sangeswunder und sich bei „Deutschland sucht den Superstar“ zum Löffel machen, sie tritt auch dann auf, wenn wir etwas zu hören glauben, das in dieser Form physikalisch gar nicht da ist. Tinnitus-Patienten können ein Lied davon singen.

Aber akustische Täuschungen kann man sich auch durchaus zunutze machen – es gibt Menschen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen: Geräuschemacher bei Film, Fernsehen und Hörspiel! Niemand merkt, dass das Spiegelei, das in der Pfanne brutzelt in Wirklichkeit knisterndes Zellophanpapier ist, dass die drei Leute, die im Hörspiel über Dielen laufen, von einem einzelnen Mann mit zwei verschiedenen Schuhen auf einer Holzplatte zum Leben erweckt werden oder dass Bud Spencer in Wirklichkeit gar nicht so fest zuschlägt, wie uns der Brachialsound, der aus dem Fernseher dröhnt, glauben schenken mag. Die älteren Ohrenblicke-Hörer erinnern sich vielleicht auch noch an mein Experiment mit dem gefälschten Bali-Ohrenblick aus Folge 8.

Dass Geräuschemachen nicht nur eine Kunst für Solisten ist, beweist der slowenische Chor „Perpetuum Jazzile“: Da steht eine Gruppe von Männern und Frauen auf der Bühne und beschwört mal eben ein ganzes Unwetter herauf. Wie ich finde, eine sehr audiotische Performance und wenn man die Augen schließt, dann hat man unweigerlich das Gefühl, seinen Regenschirm aufspannen zu müssen. Täuschend echt eben!