Auch wenn wohl fast jeder das Wort Podcast schon einmal gehört hat, gibt es mehr als ein Jahrzehnt nach Erfindung des Begriffs immer noch Unwissenheit und Missverständnisse in Bezug auf dieses Medium. Im Folgenden erfährst du, was ein Podcast ist, warum der Begriff häufig falsch verwendet wird, wie man Podcasts mit einer Podcast-App kostenlos abonnieren und aufs Handy laden kann und wer Podcasts anbietet.

Inhalt (Klicke auf ein Thema, um direkt dorthin zu springen!)

  1. Definition: Was ist ein Podcast?
  2. Podcast abonnieren
  3. Podcast abonnieren mit dem Smartphone oder Tablet
  4. Podcast abonnieren mit dem Rechner
  5. Podcast-Feed/RSS-Feed
  6. Wer macht denn sowas?
  7. Sonderfomate: „Podcasts“ auf Spotify und Audible
  8. Die musikalische Kurzfassung: Podcastsong

 

Ein Podcast, das ist doch so was wie eine Radio- oder Fernsehsendung im Internet, oder?

Nicht ganz. Es gibt zwar auch Radio- oder Fernsehsendungen als Podcast. Im Gegensatz zu den klassischen Medien hat ein Podcast aber keine festen Sendezeiten. Man spricht dabei auch von Audio (bzw. Video) „on demand“, also auf Abruf. Du kannst Podcast-Episoden herunterladen und hören (bzw. ansehen), wann du willst. So bist du komplett unabhängig von Sendezeiten und brauchst nicht zu fürchten, eine Folge zu verpassen.

Also ist ein Podcast eine Audio- oder Videodatei zum Herunterladen im Internet?

Viele benutzen aus Unwissenheit den Begriff “Podcast” für eine einzelne Audio- oder Videodatei. Das allein ist aber laut Definition noch kein Podcast. Ein echter Podcast ist viel mehr: Es ist eine ganze Serie von Audio- oder Videodateien. Stell dir ein Blog vor, das ja in der Regel aus mehreren Artikeln besteht, die nach und nach veröffentlicht werden. Ein Podcast ist im Prinzip dasselbe mit Audio- bzw. Videoanhang. Daher spricht man manchmal auch von Audio- bzw. Videoblog. Einen Podcast kann man sich wie einen Zug*) mit vielen Waggons vorstellen: Ein Waggon ist eine Podcastfolge, auch „Episode“ genannt, der ganze Zug mit allen Waggons und der Lok (der Code im Hintergrund) ist dann der Podcast. Der große Vorteil ist, dass du einen Podcast abonnieren kannst und keine spezielle Seite im Internet aufsuchen musst.

Abonnieren, aha, das kostet also was?

Keinen Cent! Das Abonnieren und Herunterladen eines Podcasts ist immer kostenlos. Die Podcasts werden entweder von den Anbietern selbst, durch Werbung oder bei den öffentlich-rechtlichen Sendern durch deine Rundfunkgebühren finanziert.

Wie abonniert man einen Podcast mit dem Smartphone?

Wenn du dein Handy zum Abonnieren von Podcasts benutzen willst, findest du verschiedene (teilweise kostenlose) Apps in den jeweiligen Stores. Die Bedienung hängt von der jeweiligen App ab. Die meisten erklären sich schnell selbst, wenn man sie einmal installiert hat. Für Android gibt es u.a. die kostenlose App „Antenna Pod“ mit recht überschaubarem Funktionsumfang. Ich nutze derzeit die App „Podcast Addict“ für Android (in der Grundversion kostenlos), hiermit kann man auch Internetradio hören, sie hat einige Extras und ist trotzdem einfach zu bedienen. Für Apple-User gibt es die hauseigene App „Podcasts“, die App „iCatcher (kostenpflichtig)“ und viele andere. Probiere einfach aus, mit welcher App du am besten klarkommst.

Hier mal eine kleine Aufgabe für dich: Installiere eine Podcast-App, finde damit meinen Podcast „Ohrenblicke“, abonniere ihn und höre dir die letzte Episode an. Wenn das funktioniert, wirst du keine Schwierigkeiten haben, weitere Podcasts zu allen möglichen Themen zu finden, die du ebenfalls kostenlos abonnieren kannst. Natürlich kannst du jedes Abo ganz einfach wieder beenden. Denk bitte daran, dass Audio und Videodateien sehr groß sein können und nutze am besten einen W-LAN-Zugang zum Herunterladen, um dein Datenvolumen zu schonen.

Und wie abonniere ich einen Podcast mit dem Rechner?

Am einfachsten ist es wohl mit dem Programm iTunes, das allerdings in der Windows-Version sehr sperrig ist. Im iTunes-Store gibt es ein Podcastverzeichnis mit Rubriken und du kannst (wenn du das Programm „iTunes“ auf deinem Rechner installiert hast) die Podcasts dort einfach per Mausklick abonnieren

Wenn du keine spezielle Software installieren, aber trotzdem deine Podcast-Abos zentral verwalten möchtest, kannst du Podcastportale wie podcast.de (leider inzwischen sehr vollgestopft mit Werbung) nutzen. Hier kannst du dich registrieren, nach Themen und Rubriken suchen und den gewünschten Podcast per Mausklick abonnieren.

Ein wenig aus der Mode gekommen und nur der Vollständigkeit halber hier erwähnt sind Programme wie gPodder oder Juice (veraltet), kleine kostenlose Podcatcher, die aber etwas umständlich zu bedienen sind. Leider wird auch der einstmals sehr beliebte Audio-/Videoplayer Winamp nicht mehr weiterentwickelt, der über die Möglichkeit verfügte, Podcasts zu abonnieren und abzuspielen.

Du kannst einen Podcast übrigens auch mit dem Browser abonnieren, die meisten Browser unterstützen diese Funktion. Klicke einfach mal auf den Ohrenblicke-Feed und schau, ob dein Browser diese Möglichkeit bietet, im negativen Fall siehst du nur eine Seite mit Code. Im Prinzip kann man mit jedem Programm, das Nachrichtenfeeds lesen kann, auch Podcasts abonnieren.

Feed? Was ist denn das jetzt schon wieder?

Keine Sorge, heutzutage muss man diesen Begriff weder kennen noch verstehen, um Podcasts konsumieren zu können. Der sogenannte RSS-Feed ist eine Datei, in der Informationen über den Podcast gespeichert sind. Zum Beispiel der Name des Podcasts, die Titel der einzelnen Folgen, Beschreibungstexte zum Inhalt (sogenannte „Shownotes“) und, ganz wichtig, die Download-Adressen der Audio- oder Videodateien. Der RSS-Feed hat ein Standard-Format und kann von bestimmten Programmen wie z.B. Podcatchern gelesen und ausgewertet werden. Wenn du also z.B. auf den Ohrenblicke-Podcastfeed klickst, müsste dir dein Browser die letzten Folgen des Ohrenblicke-Podcasts und die Links zu den Audiodateien anzeigen – vorausgesetzt er kann RSS-Feeds lesen. Deine Podcast-App macht im Grunde nichts anderes. Sie wertet den Feed aus und zeigt dir die Episoden des Podcasts an, die du herunterladen oder im Stream abspielen lassen kannst. Eine Feed-Adresse findest du übrigens auch bei Blogs oder Nachrichtenseiten. Auch diese kann man mit einem speziellen Programm, einem Feedreader, abonnieren und spart sich das Aufrufen der Webseiten.

Okay, ich kann also einen Podcast abonnieren und ihn hören oder ansehen wann und wo ich will. Dafür brauche ich einen Podcatcher, z.B. eine entsprechende App für mein Handy. Und das Tolle, Podcasts sind komplett kostenlos. Was ich aber noch nicht verstehe: Wer produziert denn sowas und verschenkt es dann einfach?

Häufig sind es Firmen, Freiberufler, Vereine oder Interessengruppen, die einen Podcast produzieren, um auf sich aufmerksam zu machen. Es gibt aber auch unzählige Privatleute, die Spaß daran haben, sich auf diese Weise der Welt mitzuteilen. Die Themen sind dabei ebenso vielfältig wie die Qualitätsansprüche. Es gibt Talkformate, Infoformate, Wissenspodcasts, Lernpodcasts, Hörspiele, Comedy, Magazine, Business-Tipps und vieles mehr. Und das ist das Schöne beim Podcasting: Die Auswahl ist riesig und jeder kann sich das heraussuchen, was ihm gefällt.

Warum kann ich die Podcasts von Audible und Spotify nicht mit meinem Podcatcher laden?

Technisch gesehen sind die „Podcasts“ von Audible, Spotify und anderen kommerziellen Portalen keine Podcasts. Sie widersprechen der Grundidee der Podcastpioniere, da sie nur zentral auf dem jeweiligen Portal (bzw. mit der jeweiligen App) gestreamt oder heruntergeladen werden können. So gibt es weder bei Audible noch bei Spotify Podcast-Feeds zum Abonnieren mit einem Podcatcher. Man braucht zum Hören ein kostenpflichtiges Audible-Abo bzw. einen Spotify-Account.

Warum heißen sie dann „Podcast“?

Zum einen mag das aus Marketinggründen der Fall sein, Podcasts sind trendy und die Portale werben damit um neue Nutzer. Zum anderen sind die Formate inhaltlich mit echten Podcastformaten vergleichbar, eben weil es sich wie die meisten Podcasts um Audioserien handelt; oftmals sind es Talkformate mit wechselnden Themen oder Gästen. Es ist nur ein weiterer Verbreitungsweg. Der Begriff „Podcast“ bezieht sich also bei Portalen wie Audible und Spotify auf Form und Inhalt, nicht auf die Technik. Vergleichbar ist das mit einem anderen Medium: Wir nutzen immer noch den Begriff „Film“, auch wenn die Wiedergabe heute mit der alten analogen Filmtechnik nichts mehr zu tun hat.

Eine letzte Frage: Wer bist du und warum nimmst du dir die Zeit, mir das so ausführlich zu erklären?

Ich bin Jens, auch Jens Ohrenblicker oder manchmal nur „Der Ohrenblicker“ und beschäftige mich beruflich mit Dingen, die man Hören kann. Ich arbeite u.a. als Studiosprecher und Produzent von Audiocontent.  Zum Podcasting kam ich 2006, als ich meinen Podcast „Ohrenblicke“ startete, den ich auch heute noch in sehr unregelmäßigen Abständen produziere. Darin beschäftige ich mich spielerisch und künstlerisch mit unserer auditiven Wahrnehmung, dabei geht es mehr um das Erleben als um nüchterne Wissenschaft, z.B. um meine akustischen Reiseerlebnisse oder auditive Begegnungen, um Hörspielereien und einfach alles, wozu ich gerade Lust habe und was irgendwie in Zusammenhang mit dem Thema Hören steht. Nebenbei bin ich auch noch Liedermacher und moderiere u.a. eine Kleinkunstshow in Berlin.

Die Vorgängerversion dieses Erklärtextes habe ich vor einigen Jahren für podcast.de geschrieben. Sie war jedoch in einigen Punkten veraltet, daher habe ich den Text komplett überarbeitet und versuche ihn weiterhin aktuell zu halten. Wenn du also Fehler entdeckst oder Ergänzungsvorschläge hast, freue ich mich über eine Mail von dir!

Eine musikalische und nicht ganz ernst gemeinte Antwort auf die Frage, warum man einen Podcast macht und wann man Podcasts hören sollte, gibt dir mein Podcastsong!


*) Meine ursprüngliche Metapher für einen Podcast war ein Haus mit vielen Zimmern. Da man an ein Haus jedoch nicht ohne Weiteres zusätzliche Zimmer anbauen kann, gefällt mir das Bild mit einem Zug wesentlich besser.

Stand: Juni 2018

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