Das mundgemalte Hörbuch

Hörbuch: Roll.on - Das war’s dann wohl mit Frauenheld
Hörbuch: Roll.on – Das war’s dann wohl mit Frauenheld

Stell dir vor, du wachst in einem Krankenhaus auf, spürst Schmerzen am ganzen Körper und ein Arzt erzählt dir, dass du einen Unfall hattest und für den Rest deines Lebens weder Arme noch Beine bewegen können wirst. Der Entschluss, deinem Leben ein Ende zu setzen, scheitert schon daran, dass dieses Unterfangen ohne funktionierenden Körper fast unmöglich ist. „Was bleibt einem da noch?“, werden sich viele fragen.

Eine ganze Menge! So zumindest würde Lars Höllerer diese Frage beantworten. Lars verunglückte Anfang der 90er Jahre mit seinem Motorrad und er musste durch genau diese Hölle gehen: Intensivstation, Rehaklinik, Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken. Doch Lars hatte es geschafft, den noch nicht ganz verloschenen Lebensfunken nach und nach wieder anzufachen und sich neu zu erfinden: als Mundmaler und inzwischen auch als Buchautor, der für den Deutschen Selfpublishingpreis nominiert ist!

Roll.on – Das war’s dann wohl mit Frauenheld!“ hat er seine Autobiographie genannt, die er diesen Sommer veröffentlicht hat. Ich hatte die Ehre, Lars meine Stimme für die Hörbuchversion zu leihen und seine Geschichte erzählen zu dürfen. Ich durfte mit ihm in die Zeit zurückreisen bis kurz vor seinen Unfall, habe mit ihm gedanklich noch einmal den Albtraum seines Erwachens erlebt, die Zeit der Reha und seinen mühsamen Weg zurück ins Leben, auf dem ihm vor allem die Malerei mit dem Mund geholfen hat, mit der er heute seinen Lebensunterhalt verdient.

Lars Höllerer malt mit dem Mund
Der Künstler Lars Höllerer malt seine Bilder mit dem Mund

Trotz der ernsten Thematik berichtet Lars mit viel Humor und Selbstironie über die Zeit von seinem Motorradunfall 1991 bis heute. Die geschilderte Situationskomik der verschiedenen Anekdoten aus seinem Leben als „Tetraplegiker“ verbirgt aber nie die Tragik dahinter: das Ausgeliefertsein und die Abhängigkeit von Zivildienstleistenden oder freiwilligen Helfern, die z.B. dann schmerzhaft zutage tritt, wenn ein Zivi die Pfanne auf dem Herd vergisst, während er einkaufen geht oder ein anderer Helfer sich vor lauter Liebskummer betrinkt. Selbst eine Mücke wird zum (fast) unbesiegbaren Feind, wenn man nicht nach ihr schlagen kann und das Einchecken am Flughafen zu einem größeren Drama in einer Welt, die nicht für Rollstuhlfahrer gemacht zu sein scheint.

Lars klagt jedoch niemals an, auch wenn er allen Grund dazu hätte, z.B. wenn eine ältere Dame seiner Begleiterin in seinem Beisein „viel Kraft“ wünscht, da sie es ja „mit so einem“ nicht einfach habe. Allein die ironische Beschreibung der Situation entlarvt ihre Kleingeistigkeit und hält auch uns einen Spiegel vor, als Bürger eines Landes, in dem Jammern über Nichtigkeiten zum guten Ton gehört.

Lars, der Mundmaler und Menschenfreund erinnert einen immer wieder daran, das Leben so anzunehmen, wie es kommt und das Beste daraus zu machen. Es war für mich eine bereichernde Erfahrung, seine Geschichte erzählen zu dürfen.

Das Hörbuch „Roll.on – Das war’s dann wohl mit Frauenheld“ gibt es als Download in allen bekannten Shops (z.B. bei Audible) sowie auf 4 CDs – im umweltfreundlichen Pappkarton mit umfangreichen Booklet und vielen mundgemalten Illustrationen – beim Autor. Wer lieber selbst lesen will, bekommt das Buch auch als Taschenbuch oder E-Book im Buchhandel oder online.

Links:
Website von Lars Höllerer
Hörbuch-Rezension im SWR
Videobeitrag (YouTube) über den Mundmaler Lars Höllerer

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