Ich gebe ja zu, dass im letzten Artikel der Begriff der Akustischen Täuschung nur als Aufmacher für einen audiotischen Regenchor herhalten musste und ich die Sache ziemlich unwissenschaftlich behandelt habe. So wird die Arbeit eines Geräuschemachers von Physikern wohl ebensowenig zum Phänomen der Akustischen Täuschung gezählt wie die Selbstüberschätzung gewisser Gesangsuntalente, obwohl es sich doch im wörtlichen Sinne durchaus um eine solche handelt. [Ergänzung: Mit den „Gesangsuntalenten“ sind natürlich die DSDS-Kandidaten gemeint, nicht der geniale Chor Perpetuum Jazzile!] Um hier mal ein wenig mehr Seriosität zu verbreiten, möchte ich mich nun einer echten akustischen Täuschung im physikalischen Sinne zuwenden.

Fast jeder hat sicher schon mal eines der Bilder von M.C. Escher gesehen, auf denen der Künstler mit den Dimensionen spielt und es immer wieder schafft unser Gehirn auszutricksen. Eine simple Form dieser Optischen Täuschungen hat der Schwede Oscar Reutersvärd entworfen: ein unmögliches Dreieck.

Das Penrose-Dreieck von Oscar Reutersvärd

Penrose-Dreieck (Grafik: Tobias R.)

Beim Betrachten des zweidimensionalen Bildes fügt unser Gehirn automatisch eine dritte Dimension hinzu, was aber aufgrund der speziellen Konstruktion dieser Zeichnung gründlich in die Hose geht, denn so ein Dreieck kann in der Natur nicht existieren.

Ein ähnliches Phänomen gibt es auch in der Akustik, die sogenannte Shepard-Skala. Hier wird eine auf- oder absteigende Tonfolge wiedergegeben (z.B. eine Dur-Tonleiter), die niemals endet und, obwohl sie nicht die Richtung wechselt, wieder dort ankommt, wo sie angefangen hat. Dies erreicht man, indem man mehrere Töne im Oktavabstand übereinanderschichtet und die verschiedenen „Ebenen“ langsam ein- und ausblendet. Das klingt kompliziert, ist aber im Grunde elektronisch recht einfach herzustellen. Sehr anschaulich wird das auf dieser Seite anhand einer chromatischen Tonleiter vorgeführt. Der Effekt stellt sich bei diesem Beispiel einer chromatischen Shepard-Skala besonders gut ein.

Ich denke, der Seriosität ist hiermit Genüge getan und ich kann mich langsam wieder dem Audiotismus nähern! Ich habe mal auf meine ganz eigene Art eine Shepard-Skala aufgenommen und zwar, wie sollte es anders sein: mit Ukulele! Ich gebe zu, so richtig perfekt ist mir das nicht gelungen, denn so eine Ukulele führt ihr Eigenleben und lässt sich nicht so leicht für physikalische Experimente missbrauchen. So sind beispielsweise die Lautstärkeverhältnisse schwankend und ein wenig unausgewogen. Da die Ukulele nur einen Tonumfang von zwei Oktaven hat, habe ich außerdem technisch noch ein wenig nachgeholfen und sie auf vier Oktaven gestreckt.

Zur Anschauung des Phänomens Shepard-Skala mag das Hörbeispiel ausreichen und ich bin sicher auch der Erste, der dies mit einer Ukulele probiert hat und werde natürlich in die Wissenschaftsgeschichte eingehen – mehr wollte ich ja auch gar nicht. Vielleicht werde ich das Werk bei Gelegenheit mal ein wenig perfektionieren.
Shepard-Skala mit Ukulele (MP3)

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Wenn ihr Interesse daran habt, solche kleinen Spielereien auch mal in einer Ohrenblicke-Folge zu hören, schreibt mir einfach! Und bevor jetzt noch weitere Fragen kommen, wann es denn mit dem Podcast weitergeht: Bald! Irgendwann! Oder so.