Warum wir die GEMA-Alternative C3S unterstützen sollten

14. September 2013 | Kategorie: LESEN

Kommt man – vor allem in Internetforen oder sozialen Netzwerken – auf die GEMA zu sprechen, dann ist das Echo meist wenig charmant. Die Verwertungsgesellschaft für Komponisten und Textdichter scheint sich in den letzten Jahren auf der Unbeliebtheitsskala deutscher Institutionen einen Platz gleich hinter der Waffen-SS, der Stasi und noch vor der GEZ gesichert zu haben. Ob das so gerechtfertigt ist, sei dahingestellt. Für viele Komponisten, die sich und ihre Familie ernähren müssen, gibt es derzeit keine Alternative und Vieles, was so über die GEMA geredet, geschrieben und getwittert wird, zeugt von mangelndem Wissen des Redners/Schreibers/Twitterers. Doch ist es hier nicht meine Aufgabe, die offenbar nicht all zu fähige PR-Abteilung der GEMA zu vertreten, denn ich bin zwar Musiker, jedoch kein Mitglied der GEMA und lebe auch nicht hauptsächlich von der Musik.

Wie die GEMA weniger bekannten Künstlern Hürden in den Weg stellt

Komponisten wie mir steht die GEMA eher im Weg, denn sie fordert von ihren Mitgliedern eine komplette Kommerzialisierung ihrer Werke. Wer GEMA-Mitglied ist, muss alles anmelden, was er jemals komponiert hat und komponieren wird, einschließlich der Jingles für den Hamsterzuchtpodcast und der Titelmusik für das YouTube-Video zum letzten Betriebsausflug. Wäre ich GEMA-Mitglied, hätte ich für unser Live-Hörspiel „Das Schweigen der Unsichtbaren“ GEMA-Gebühren abdrücken müssen, auch wenn wir dort meine eigene Musik spielen. Für eine Veranstaltung, die mal soeben die Ausgaben wieder einspielt, wäre das ein ärgerlicher Kostenfaktor. Eine Veröffentlichung meiner Musik im Ohrenblicke-Podcast wäre ebenso unmöglich, denn der Podcast-Tarif der GEMA ist an derartig viele Bedingungen geknüpft, dass er allenfalls unter der Rubrik Realsatire abzubuchen ist. Es gibt zwar bei der GEMA die Möglichkeit einzelne Nutzungsarten von der Verwertung auszuklammern (z.B. Internet), aber unter Flexibilität stelle ich mir dann doch etwas anderes vor.

Ein Ärgernis für Veranstalter ist die sogenannte GEMA-Vermutung, die im Urheberrechtswahrnehmungsgesetz geregelt ist. Sie geht davon aus, dass grundsätzlich das gesamte Musikrepertoire, das öffentlich gespielt wird, bei der GEMA angemeldet ist. Ist das nicht der Fall, muss der Veranstalter das beweisen. Gäbe es eine weitere Verwertungsgesellschaft, sähe die Sache anders aus und die Beweislast würde umgekehrt.

Es wäre in der Tat schön, gäbe es eine Alternative zur GEMA: eine Verwertungsgesellschaft, die ihren Mitgliedern Freiheiten über die Nutzung ihrer Werke einräumt, eine Verwertungsgesellschaft, die das Internetzeitalter verstanden hat und neue technische Möglichkeiten nutzt, um die Tantiemen gerecht und transparent zu verteilen, eine Verwertungsgesellschaft, die auch weniger bekannten Künstlern hilft, statt ihnen Hürden in den Weg zu stellen, die demokratisch aufgebaut ist und die eine ernstzunehmende Konkurrenz für die GEMA sein könnte und sie unter Reformierungsdruck setzt.

Die Cultural Commons Collecting Society (C3S)

Ich würde mich nicht am sonnigen Spätsommernachmittag an den Rechner setzen, wenn ich nicht ein As im Ärmel hätte: In Kürze wird sich eine neue Verwertungsgesellschaft gründen, nämlich die Cultural Commons Collecting Society (C3S). Ob sie ein Erfolg wird und den hohen Ansprüchen gerecht wird, hängt nicht nur von den sehr engagierten Menschen ab, die sich diese Mammutaufgabe vorgenommen haben, sondern von uns allen. So sammelt die Initiative derzeit Geld per Crowdfunding, um ihr Projekt zu finanzieren. Angestrebt wird die Gründung einer europäischen Genossenschaft, bei der sich jeder beteiligen kann. Auch ich habe mir bereits einen potenziellen Anteil gesichert (der dann nach der Gründung ein echter Anteil wird), mit 50 Euro ist man dabei! Man kann außerdem bis zu 59 weitere Anteile erwerben. Auch wer kein Musiker ist und nicht Mitglied werden möchte, kann die Aktion durch eine beliebig große oder kleine Spende unterstützen.

Wer sollte die C3S unterstützen?

  • Komponisten, für die eine GEMA-Mitgliedschaft nicht in Frage kommt
  • GEMA-Mitglieder, die mit der GEMA nicht zufrieden sind
  • Musikliebhaber, die Vielfalt wollen und ihre Ohren gerne abseits der Charts offen halten
  • Veranstalter von Musikveranstaltungen
  • Alle, die sich über die GEMA echauffieren und nicht nur meckern, sondern auch etwas Konstruktives beitragen wollen
  • Alle, die etwas Geld übrig haben und eine gute Sache unterstützen wollen

Nicht zuletzt ist jede Spende auch deshalb wichtig, weil die C3S vom Land NRW noch mal einen Zuschuss von 200.000 Euro bekommt, wenn sie selbst denselben Betrag aufbringen kann. Davon ist das Crowdfunding-Projekt allerdings noch weit entfernt. Also, am besten jetzt sofort die Seite bei Startnext besuchen, alles gut durchlesen und spenden oder Anteile erwerben (die findet man unter dem Reiter „Investition“ am rechten Rand). Übrigens kann man seine Genossenschaftsanteile zu einem späteren Zeitpunkt auch wieder herausziehen und bekommt dann sein Geld zurück.

Also, worauf wartest du noch? 🙂

Update, 01.10.2013

Die Crowdfunding-Aktion ist vorbei, knapp 119.000 Euro sind zusammengekommen. Sicherlich wird man demnächst auch auf andere Weise Genossenschaftsanteile erwerben und somit Mitglied werden können, denn die C3S braucht mindestens 3000 Mitglieder, um beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eine Verwertungsgesellschaft anmelden zu können. Wichtig ist daher, die Sache weiterhin zu verfolgen, zu diskutieren und weiterzuverbreiten!

Das Schweigen der Unsichtbaren kehrt zurück

10. Juli 2013 | Kategorie: LESEN

Das Schweigen der Unsichtbaren - PlakatFast zwei Jahre ist es her, dass Tom Funker und ich unser erstes gemeinsames Live-Hörspiel auf die Bühne gebracht haben. Ich erinnere mich noch an schlaflose Nächte unter enormen Zeitdruck, denn die Vorbereitungen waren weit aufwändiger als gedacht. Auch wenn ich nur noch mit Koffein die nötige Kraft aufbringen konnte, nicht von der Bühne zu kippen, lief dann alles wie durch ein Wunder rund und das Publikum zollte dem „Schweigen der Unsichtbaren“ großen Beifall.

Nun ist es bald wieder so weit, ich habe das Hörspiel noch einmal überarbeitet und auch diesmal gibt es viel zu tun. Daher meldet sich der Ohrenblicker auch nur ganz kurz zurück, um dann gleich wieder zu verschwinden. Damit ihr trotzdem wisst, worum es geht, folgt nun der Text aus unserem Programmheft. Vielleicht sehen wir uns ja am kommenden Freitag oder Samstag. Wir freuen uns!

Das Schweigen der Unsichtbaren

ein vollaudiotisches Live-Hörspiel von Jens Ohrenblicker und Tom Funker

Freitag, den 12. und Samstag, den 13. Juli 2013
im BÜHNENRAUSCH
Erich-Weinert-Straße 27
Berlin – Prenzlauer Berg
Beginn: 20 Uhr

Kartenreservierungen (unbedingt empfohlen!): wir (at) buehnenrausch.de
Eintritt: 12 Euro / ermäßigt: 8 Euro
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Ohrenmenschen: George, der Stimmgewaltige

16. Januar 2012 | Kategorie: LESEN, Ohrenmenschen

Mein erster Ohrenmensch im Jahr 2012 ist Ohrenblickehörern der ersten Stunde wohlbekannt: George Nussbaumer aus Österreich hat u.a. meinem „Lieblingshörer des Monats“-Jingle seine sonore Stimme verliehen. Er ist aber nicht nur ein hervorragender Sprecher, sondern spielt auch Klavier und singt ganz ausgezeichnet. Daher freue ich mich ganz besonders, dass er sich die Zeit genommen hat, meine Ohrenmenschen-Fragen zu beantworten!

George Nussbaumer

Foto: Marcel Hagen - studio22.at


Name: George Nussbaumer
Geburtsjahr: 1963
Wohnort: Alberschwende, Österreich
Beruf: Musiker, Sprecher
Hobbys: Technische „Spielsachen“, viel lesen und mein Beruf
Homepage: www.george.ch und www.georgenussbaumer.com

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Was Eisdielen in Grönland mit Untertiteln zu tun haben

3. Januar 2012 | Kategorie: LESEN

Ich könnte jetzt die Geschichte von meinem Freund Salvatore erzählen. Salvatore hat eine gut laufende Eisdiele in Berlin Mitte, drei gesunde Kinder und eine wundervolle Frau mit rabenschwarzen Locken. Salvatore spielt in seiner Freizeit Mandoline und malt ganz ausgezeichnet. Und Salvatore macht das beste Eis in ganz Berlin, sein Stracciatella ist ein Gedicht! Aber damit gibt sich Salvatore nicht zufrieden, er möchte expandieren: Eine Eisdiele in Grönland, das ist sein Traum! Natürlich ist ihm bewusst, dass dieses Geschäft keinen Gewinn abwerfen wird, aber Salvatore geht es gar nicht um das Geld. Er weiß, dass es nichts Langweiligeres gibt, als durch ausgetretene Fußstapfen zu laufen.
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Ohrenmenschen – Johanna, die Hörspielfee

13. Dezember 2011 | Kategorie: LESEN, Ohrenmenschen

Mein Dezember-Ohrenmensch heißt Johanna Steiner und managt nicht nur die Live-Veranstaltungen der Lauscherlounge, sondern arbeitet auch als Hörspielregisseurin und -autorin. Ihre Antworten auf meine Fragen liefern interessante Ansichten über Gasherde, die Faszination von Schritten und kichernde Fische.

Johanna SteinerName: Johanna Steiner
Geburtsjahr: 1983
Wohnort: Berlin
Beruf: Hörspielautorin und –regisseurin / Veranstaltungsmangerin bei der Lauscherlounge
Hobbys: Kochen, Singen, Kino, Konzerte, Lesen und so
Homepage: buchstabiermirlkw.de und bald auch johannasteiner.de
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